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Museumslyrik – Wortkunst zu Kunstwerken

31. August 2013

Im Frühsommer haben wir in der Schreibwerkstatt in der Kunsthalle Bremen verschiedene Texte und Geschichten zu Bildern verfasst. Es wurde verdichtet und fantasiert, geträumt, gezetert und vor allem: geschrieben.

Die Texte sind nachzulesen auf der Seite „Museumslyrik

Nachfolgend einige Auszüge zu Karl Schmidt-Rotluffs „Das rote Haus“ der TeilnehmerInnen der Schreibwerkstatt:

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Rote Haus_Rotluff

Karl Schmidt-Rotluff: Das rote Haus – Foto: AFR

Auf die (Holz-)barrikaden!

Mein Schornstein raucht nicht mehr!
Du fragst, wie es dazu kommen konnte?
Ich will es dir erzählen.

Weißt du noch, wir ihr am Vorabend der Aktion gemeinsam mit euren Freunden und Kampfgefährten zusammen gesessen und die letzten Einzelheiten eurer Aktion geplant habt? Alle waren voller Tatendrang und Erwartung, begleitet von einer großen Ungewissheit. Paul, euer Anführer und Motivator schwor euch auf das Ziel ein. Du erinnerst dich – selbst die größten Bedenkenträger unter euch ließen sich von der euphorischen Stimmung anstecken. Niemand schien mehr bereit oder fähig, über die Konsequenzen im Falle eures Scheiterns nachdenken zu wollen. Ewige Freundschaft und den unbedingten Willen zum Sieg hat sich die Gruppe geschworen. Ich bewunderte eure Entschlossenheit und den Willen, nichts dem Zufall überlassen zu wollen. Alles war bis ins kleinste Detail geplant. In der frühmorgendlichen Dämmerung des folgenden Tages sollte es losgehen. Ihr wusstet, die Zeit würde knapp werden. Viel hing davon ab, dass ihr rechtzeitig wieder zurück sein würdet.

Doch dann kam alles ganz anders.

Für die Gewinner des großen Baumsägewettbewerbs der Försterei Klein-Rottluff waren zehn Kubikmeter bestes Buchenholz ausgelobt worden. Mein Kamin glimmte nur noch auf den letzten Resten Holz. So sehr war ich auf das lebensnotwendige Kaminholz
angewiesen. Und dann werdet ihr disqualifiziert, weil ihr Deppen die Sägen vergessen habt. Nun ist der Ofen aus.

JHanik

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Im Turm

Der Sommer geht. Ich sehe aus dem Giebelfenster auf die Büsche, deren Blätter sich vom Grün abwenden. Der Winter wird kommen, und mit seinem Weiß den Weg und die Bäume bedecken, selbst das Dach des Hauses, so dass allein die roten Mauern von hier künden werden. Von Weitem mögen Besucher denken, dass etwas brennt inmitten der weißen Hänge. Bis sie näher treten und den rot bemalten Stein anfassen und spüren, dass er kalt ist. Kalt bis unters Dach, wo ich sitze und hinausschaue, diesen nächsten Winter lang.

Lisa Barth

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